Demokratieoffensive 2001

Schon mal drüber nachgedacht?

Täglich erleben Schüler immer wieder, dass sie nicht ernst genommen werden und ihre eigenen Interessen und Meinungen nicht gefragt sind:

frustriert...

Kathrin ist sauer, denn an ihrer Schule existiert keine SMV-Kasse: "Die Vorraussetzung für effektives Arbeiten in einer SMV ist ein finanzielles Polster um eventuelle Miesen auffangen oder Anschaffungen machen zu können. Doch unsere "Chefin" bleibt uneinsichtig. Eigentlich gilt auch für unsere Schule wie für alle anderen Schulen sowohl das BayEUG als auch die GSO. Und laut dieser rechtlichen Grundlagen ist jeder SMV die
Möglichkeit zu geben in Zusammenarbeit mit einem Vertrauenslehrer ein eigenes SMV- Konto zu führen, in das die gesamten Erlöse der Schulfeste, Rockkonzerte... fließen.

Wir wollen das von uns erwirtschaftete Geld auch selbst verwalten!

Jedes Jahr aufs neue versucht unsere SMV aufs neue dieses Problem zu lösen. Wir haben auch schon den Elternbeirat auf unsere Seite gezogen, doch bisher hat nichts funktioniert. Deshalb schreien wir jetzt in die Welt hinaus: UNS REICHTS!!!!"

zensiert...

Phil ärgert sich über seine Direktor, den er "väterlich-behütend" nennt:

"Drei Jahre lang habe ich für meine Schülerzeitung geschrieben, und in drei Jahren wurde nicht eine Ausgabe verboten. Dafür verbrachte ich drei Jahre lang in steter Regelmäßigkeit meine Nachmittage im gemütlichen Besuchersessel auf dem Direktorat. Das Lieblingswort meines Direktors ist Schulfamilie. Zensur, so etwas will er an seiner Schule nicht. Nein, ich soll doch verstehen warum Passagen meines Textes unpassend sind und sie aus eigenem Antrieb umschreiben. Schließlich befinde ich mich noch im Prozess der Reife, muss also noch lernen au andere Rücksicht zu nehmen, damit wir alle harmonisch nebeneinander leben können. Und in einer guten Schulfamilie heißt das, sich mit der eigenen Meinung oder auch mit angebrachter Kritik zurück zu halten.

Den Religionsunterricht in Frage stellen? Bitte nicht, denken Sie doch auch einmal an die betroffenen Kollegen... Pädagogisch vollkommen verfehlte Disziplinarmaßnahmen anprangern? Nein, da kann ich nicht zustimmen. Ich bin mir sicher der Kollege hat sich das vorher gründlich..."

abqualifiziert...

Christoph ist Schülersprecher auf der Hauptschule und würde ja gerne etwas ändern, wenn man ihn ließe:

"Bei uns gestaltet die SMV-Arbeit vor allem der Verbindungslehrer. Wie soll es auch anders klappen, wenn du keine festen Strukturen hast, die dir als Schüler helfen und die eine gewisse Kontinuität ermöglichen? Es ist so schwierig etwas an unserer Schule aufzubauen, wenn dir keiner zutraut, Verantwortung zu übernehmen. Im Gegenteil, mein Direktor meint immer, dass ich "doch erst noch mal" den Verbindungslehrer fragen soll...

Einmal hat mich eine Freundin mit auf ein SMV-Seminar genommen, dass von den Bezirksschülersprechern, die es aber nur am Gymnasium gibt veranstaltet wurde und an einem Wochenende war. Das hat mich sehr motiviert! Aber am Montag wurde ich ausgefragt und war natürlich nicht so gut vorbereitet. Ich wollte dem Lehrer und meiner Klasse erzählen, wie begeistert ich war und was am Gymnasium so alles läuft, aber der Lehrer wollte mit dem Stoff vorankommen. Für SMV interessiert sich bei uns niemand..."

deklassiert...

Katja kommt aus Hamburg und findet die bayerischen Strukturen ungerecht:

"Die SchülerInnenkammer Hamburg ist vergleichbar mit den Landesschülervertretungen der anderen Bundesländer, außer Bayern und Berlin. Ich finde es ungeheuerlich, dass die Schülerinnen und Schüler in Bayern was Mitsprache angeht dermaßen benachteiligt werden. Bei uns findet ein regelmäßiger Austausch mit dem Kultusministerium statt, denn wir beraten unsere Schulbehörde bei allen Entscheidungen. Das ist gesetzlich festgelegt. Durch schriftliche Stellungnahmen, Gespräche oder Pressemitteilungen haben wir daher die Möglichkeit entscheidend mitzugestalten. Beispielsweise läuft zur Zeit eine Art Evaluationsprojekt, bei dem die Lehrer "bewertet" werden sollen, das durch die SchülerInnenkammer ins Rollen gebracht wurde.

Wir haben auch einen eigenen Etat, den wir auch selbst verwalten oder in bestimmte Projekte stecken, wie z.B. die SchülerInnenfibel, die alle Klassen- und Schulsprecher bekommen und sie über ihre Rechte und Möglichkeiten aufklärt.