Aktionen
Um Euch ein paar Anhaltspunkte für einen möglichen Beitrag zum Aktionstag geben zu können, haben wir einige durchaus ansprechende Möglichkeiten angedacht, um Euch die Präsentation Eurer Forderungen zu erleichtern. Und für SMVen, die unter chronischem Kreativitätsmangel leiden, sind die Vorlagen sicher auch ganz hilfreich.
Ihr solltet beim Studium der Vorschläge aber nicht vergessen, dass der Bayernweite Aktionstag von seiner Vielfalt, und damit von Eurer Phantasie lebt. In der Auseinandersetzung mit der Gestaltung eures Beitrages liegt ein wichtiger Teil der Auseinandersetzung mit den Forderungen der Demokratieoffensive selbst.
Wir haben versucht, an möglichst allen Schulen durchführbare Aktionen zusammen zu stellen, unabhängig davon, ob euer Direktor eher ein autoritärer Knochen oder ein liberaler Glücksgriff ist. Deshalb haben wir für jede Schule, jeden Schulleiter und auch personell knapp bestückte SMVen einen Denkanstoss dabei.
Schüler aller Klassen vereinigt Euch!
- Information ist Trumpf: die außerordentliche Klassensprecherversammlung, die Schülervollversammlung und die Sonderausgabe Eurer Schülerzeitung -
Wenn Ihr einen strengen Direktor habt, müsst Ihr natürlich selbst entscheiden, ob Eurer SMV eine publikumswirksame Aktion oder der gute Draht zur Schulleitung wichtiger ist. Aber gerade wenn Ihr darauf verzichtet mit einem provokanten Beitrag verstärkt die Aufmerksamkeit der Schulöffentlichkeit auf Euch zu ziehen, sollte die Vermittlung Eurer Forderungen und Vorstellungen vorrangiges Ziel sein.
Außerordentliche Klassensprecherversammlung
Jeder Schülersprecher hat das Recht regelmäßig die Klassensprecher seiner Schule während des Unterrichts zur Klassensprecherversammlung, kurz KV, zu laden, wenn der geplante Termin zuvor von der Schulleitung genehmigt wurde. Diese Genehmigung zu erhalten, sollte jedoch kein Problem für Euch darstellen, wenn ihr Euren Direktor rechtzeitig darüber informiert, am 23. Oktober eine Klassensprecherversammlung einberufen zu wollen. Wenn Ihr glaubt, er würde den Termin ablehnen, müsst Ihr ihm ja nicht gleich auf die Nase binden, welches Thema hauptsächlich erörtert werden soll...
Stressiger wird dann schon die unmittelbare Vorbereitung der KV. Es ist sinnvoll, sich aus dem Internet das Thesenpapier der Demokratieoffensive herunter zu laden und zu vervielfältigen, so dass an jeden Klassensprecher ein Exemplar verteilt werden kann. So könnt Ihr sicher stellen, dass es in der Diskussion über unsere Forderungen allen anwesenden Schülervertretern möglich ist, mit dem gleichen Kenntnisstand teilzunehmen. Außerdem ist die psychologische Hemmschwelle das auf der Versammlung behandelte Thema schnell wieder zu vergessen höher, wenn jeder eine hübsch gelayoutete Version des Thesenpapiers der LSV mitnehmen kann.
Stellt Eurer KV die Demokratieoffensive kurz vor und eröffnet die allgemeine Diskussion über das Papier und seine Forderungen. Denkt dann weiter und stellt eigene Forderungen auf, die genau zu Eurer Schule passen. Perfektes Ende einer solchen KV wäre ein Zug der Schülersprecher mit allen Klassensprechern zum Direktorat und dort anschließend die feierliche Übergabe Eurer Thesen an die Schulleitung. Und vergesst über all' das diskutieren und ausformulieren bitte nicht, eure Thesen auch uns von der LSV zukommen zu lassen.
Besonders würden wir uns übrigens freuen, wenn Eure Klassensprecher die Diskussion über die Demokratieoffensive und Euere Thesen weiter in die einzelnen Klassen tragen könnten. Klassenleiter kann man bei gutem Zureden schon manchmal eine Stunde für den Klassensprecher aus den Rippen leiern. Und falls die nicht wollen, könnt Ihr ja Eure Verbindungslehrer bitten, im Kollegium ein bisschen Werbung zu machen. Und so mancher motivierte Referendar wird froh über die Initiierung einer vitalen Debatte durch die Schüler selbst sein.
Schülervollversammlung
Das Einberufen einer solchen Versammlung gestaltet sich schon deutlich schwieriger. Ihr benötigt auf jeden Fall eine große Aula, Pausen- oder Turnhalle. Bei gutem Wetter könnt ihr die Veranstaltung auch ins Freie verlegen. Um von allen Anwesenden verstanden zu werden, ist es außerdem notwendig eine Sprechanlage mit Mikrophonen, Verstärker und Boxen aufzubauen. Weiterhin müssen die Schüler über Ort, Zeitpunkt und Anlass der Versammlung informiert werden. Die beliebtesten Methoden hierfür sind Plakate, Durchsagen und eine direkte Einladung durch den Klassensprecher. Gerade die geschickte Kombination aller drei Methoden hat sich bewährt. Diesen Aufwand ohne Zustimmung des Direktors im Geheimen zu betreiben, erscheint reizvoll aber leider wenig realistisch.
Das Problem bei einer Vollversammlung ist, dass viele Schüler den Hang verspüren werden, die Veranstaltung wieder zu verlassen, sobald der erste Hauch von Langeweile aufkommt. Um diesem Trend wirksam zu begegnen, solltet Ihr die Versammlung nicht zu lange herauszögern und Euch schon vorher über eine ansprechende Gestaltung Gedanken machen. Leider sind Diskussionen mit den mehreren Hundert Teilnehmern weder sehr produktiv, noch sehr motivierend. Vielleicht lässt sich ja eine Podiumsdiskussion organisieren, bei der auch Schulleitung, Lehrer und Eltern zum Thema Mitbestimmung debattieren. Lasst Euch also was einfallen, um möglichst alle Mitschüler die Demokratieoffensive näher zu bringen!
Besonders eindrucksvoll wäre die Übergabe Eurer Forderungen an den Direktor und dessen anschließende Verlesung.
Sonderausgabe der Schülerzeitung
Eine Form der Informationsweitergabe mit Tradition ist die Publikation von Schriften. Bittet also einfach die Redaktion Eurer Schülerzeitung darum, der Demokratieoffensive und ihrer Ausgestaltung an Eurer Schule eine extra Ausgabe zu widmen, und diese am 23. Oktober zu verbreiten.
Es gibt unzählige Möglichkeiten die Seiten dieser Ausgabe zu füllen: Artikel der Schülersprecher zu SMV- Arbeit, Forderungen der SMV zu besseren Mitsprachemöglichkeiten an der Schule, das Thesenpapier der Demokratieoffensive, Beispiele für die Allmacht der Schulleitung aus Eurem Schulalltag, der Aufruf zur großen Schülerdemonstration am 17. November in München und als Highlight ein Interview mit Eurem Direktor zum Thesenpapiers der LSV, natürlich ergänzt um Eure Vorstellungen. Und zusätzlich steht ja auch noch unser Flyer zum Download bereit...
Trotz der kritischen Thematik spart Ihr Euch viel Ärger, wenn Ihr die Ausgabe vor der Veröffentlichung Eurer Schulleitung vorlegt. Wenn diese beginnt vor Wut zu kochen und die Verbreitung der Schülerzeitung unterbinden will, könnt Ihr sie immer noch vor der Schule oder unter der Hand verteilen. Dann könnt Ihr Euch auch den Spaß erlauben mit einem fetten schwarzen Edding "ZENSIERT" auf die Cover zu schreiben; und das macht die Ausgabe schließlich erst so richtig cool.
Egal ob mit oder ohne Erlaubnis Eures Direktors, lasst der Landesschülervertretung auf jeden Fall ein Exemplar zukommen!
Symbolischer Impuls
- Schon Mal darüber nachgedacht? Gegen die Wand reden, Zensierte Schüler, Demokratie beerdigen, Ave Cäsar und Baywatch -
Eure Mitschüler werden länger über unsere Situation nachdenken, wenn Sie nicht nur durch das Lesen von Texten, sondern zum Beispiel in der Pause durch provokante Aktionen darauf Aufmerksam gemacht werden. Solche Eyecatcher müssen durch Ihr Abweichen von der Schulnormalität das Interesse der Schulöffentlichkeit erregen und gleichzeitig durch die Form der Aktion symbolisch oder metaphorisch den Bogen zur Demokratieoffensive schlagen. Der Vorteil einer solchen Aktion liegt darin, dass Eure Mitschüler die Denkanstöße der Demokratieoffensive in einem Impuls gebündelt erhalten, und nicht gleichförmig wie in einem Text. Außerdem ist für die Durchführung einer solchen Aktion nur ein harter Kern von Aktiven notwendig, der sie während der großen Pause vorführt und Informationsmaterial verteilt.
Dass Ihr diese Materialien, etwa den Forderungskatalog Eurer SMV, das LSV- Thesenpapier, die Sonderausgabe Eurer Schülerzeitung, den Flyer oder die Aktions- Postkarten, verteilt, ist wichtig, da der Impuls Eurer Aktion wahrscheinlich sonst im Laufe der Zeit verpufft. Ist das Interesse an der Demokratieoffensive durch Eure Aktion erst einmal geweckt, will der Geist mit Informationen gefüttert werden. Um den Überraschungseffekt Eurer Aktion möglichst optimal auszunutzen, solltet Ihr die Durchführung der Aktion nur in SMV- Kreisen planen und versuchen vorher maximal eure Verbindungslehrer und die Schulleitung zu involvieren.
Gegen die Wand reden
Wie zeigt Ihr am Besten, dass wir Schüler, bei dem Versuch unser Lernumfeld nach unseren Interessen zu gestalten (kurz: im Unterricht auch mal mitreden können), gegen eine Wand reden? Genau, stellt Euch einfach mit zehn aktiven Schülern an einer belebten Stelle in der Pausenhalle vor eine Wand und beginnt leidenschaftlich auf sie einzureden. Artikuliert Eure Wünsche und Vorstellungen, schreit Ihr entgegen was Euch an der Schule ankotzt und beginnt aufs Heftigste mit Ihr zu diskutieren.
Bald wird sich eine Menschentraube um Euch bilden, und die seltsamsten Fragen aufwerfen. Stellt einen oder zwei Beteiligte dafür ab, den verblüfften Lehrern und Mitschülern den Zweck Eurer Aktion zu erläutern. Bittet sie dann höflich, an Eurer Aktion teilzunehmen und so gegen die "Diktatur der Direktorate" und für mehr Schülerrechte und Mitbestimmung zu demonstrieren.
Ihr könnt diese Aktion natürlich noch vielfältig ausbauen. Einige Beispiele: Benutzt keine vorhandene Mauer, sondern baut Euch selbst eine Mauer aus Schuhkartons oder vergleichbarem Material, auf dem Euch unterstützende Mitschüler symbolisch unterschreiben können. Oder reißt bei guter Publikumsbeteiligung an der Aktion die Mauer am Ende der Pause ein und feiert Euren Sieg gegen die Mauer der Ignoranz. Gebt der Aktion durch das laute Abspielen einer CD von rage against the machine oder Ton Steine Scherben einen besonders fordernden Charakter. Eure Möglichkeiten sind unbegrenzt, nutzt die Freiräume!
Zensierte Schüler
Für diese Aktion eignet sich eine vollkommen weiße Wand besonders gut. Verklebt jetzt Euren Mund mit Klebeband und stellt oder setzt euch regungslos vor die neutrale Fläche. Voilà, eine fast vorbereitungsfreie und trotzdem einleuchtende Art, gegen die Zensur von Schülermeinung zu protestieren.
Untersteht Euch, mit dieser Skizze einer Aktion zufrieden zu sein, feilt an der Gestaltung und ergänzt was das Zeug hält!
Demokratie beerdigen
Das symbolische zu Grabe tragen der Demokratie ist eine sehr schöne und feierliche Art, den Bayernweiten Aktionstag zu begehen. Es benötigt allerdings ein bisschen mehr Zeit und Aufwand für die Vorbereitung. Ihr braucht einen schwarz gekleideten Trauerzug, besonders cool sind viele Teilnehmer im schwarzen Zweiteiler oder vergleichbarer Bekleidung, ein sargähnliches Behältnis aus Holz oder Karton und eine würdevolle Route für den Trauermarsch.
Teilt den Trauerzug in schweigend und würdevoll voran schreitende Sargträger, unkoordiniert folgende und hemmungslos schluchzende Trauernde sowie einige flüsternd aufklärende Informationsverteiler ein. Fordert Eure Mitschüler dazu auf, sich dem Zug anzuschließen und schreitet einige Male quer durch das gesamte Schulgelände. Lenkt den Trauerzug dann zum Direktorat, legt den Sarg feierlich vor der Türe ab und am Besten noch eine Version des Thesenpapiers der Demokratieoffensive darauf. Stellt Euch nun noch eine Minute schweigend neben den Sarg und geht dann Eurer Wege.
Ave Cäsar!
Bei dieser Aktionsform wird die Kritik an der autoritären Struktur unseres Schulwesens schon eine Spur deutlicher. Es handelt sich um eine interaktive Aktionsform, das heißt, so richtig gut klappt es nur, wenn sich das Publikum auch wirklich beteiligt.
Ihr benötigt lediglich einen Podest, einen Lorbeerkranz und einen Lateinlehrer, der Euch erklärt, wie man sich eine Tunika aus einem Bettlaken zurecht falten kann. Der Podest sollte zentral im Pausengeschehens stehen, um im Blickfeld möglichst vieler Mitschüler zu sein. Ihr könnt als Podest natürlich einfach nur einen Stuhl benutzen, aber der Beitrag wird um so besser ankommen, je liebevoller und vor allem auffälliger Ihr den Podest gestaltet. Ein Schüler setzt sich nun den Lorbeerkranz auf, zieht die Tunika an und lässt seine Blicke abschätzig über das Meer von Köpfen streifen.
Die anderen Mitwirkenden können nun beginnen sich im Halbkreis vor das Podest auf die Knie zu werfen, und den Namen Ihres Direktors zu lobpreisen: "Lang lebe OSTD..." "Seht so gütig ist OSTD..." "Sprich zu uns OSTD..., wir bedürfen Eure Weisheit und Führung."
Einige aktive Schüler sollten während der Aktion Informationsmaterial verteilen und vor allem versuchen Eure Mitschüler zu überreden, sich den Lobgesängen auf die Schulleitung anzuschließen.
Baywatch
Die Protestform für sommerliche Optimisten. Für diese Aktion braucht ihr zunächst eine Handvoll abgehärteter Aktivisten, die sich auch im tiefsten Herbst im Badedress an die Rettung der Demokratie wagen. Eine einheitliche Badebekleidung ist zwar auffälliger, aber im Oktober werden so wenige Menschen in Badebekleidung unterwegs sein, dass Ihr auch im bunten Bikini- Mix noch auffällig genug seid.
Habt Ihr das Personal gefunden, könnt Ihr nach Gutdünken Requisiten ergänzen: Fragt doch Mal einen bei der Wasserwacht oder der DLRG aktiven Mitschüler nach Rettungsringen und diesen tollen roten Bojen. Jetzt müsst Ihr nur noch während der Pause durch das Schulhaus sprinten und den Leuten erklären, dass Ihr Euch beeilen müsst, um die Demokratie zu retten.
Auf einen groben Klotz
gehört ein grober Keil
- Unsere flexible response: der Thesenanschlag, die Sitzblockade und die Schulsprengung -
Grundlage der drei folgenden Ideen ist das Ringen um Aufmerksamkeit durch einen deutlichen Eingriff in den Schulalltag. Dieser könnte als Störung interpretiert werden, vielleicht wird sogar der ein oder andere Zeitgenosse verärgert reagieren. Deshalb ist es besonders wichtig, den Leuten zu erklären warum die Demokratieoffensive legitim und notwendig ist, und um Verständnis bis hin zu Unterstützung für Eure Forderungen und Eure Aktionsform zu werben.
Im Gegensatz zu den anderen symbolischen Aktionen geht es jetzt darum, schon vor dem Aktionstag möglichst viele Unterstützter aus der Schülerschaft zu mobilisieren, um das Ausmaß der Unzufriedenheit zu verdeutlichen. Also solltet Ihr mit der Streuung des Info- Materials oder einer außerordentlichen Klassensprecherversammlung nicht bis zum Aktionstag selbst warten und gegebenenfalls noch spezielle Flyer für die eigene Schule entwerfen und kopieren. Das erfordert zwar mühselige Überzeugungs- und Organisationsarbeit, aber es lohnt sich!
Thesenanschlag
Der Thesenanschlag, bewährt seit den frühen Tagen der Reformation, ist ein deutlicher Akt des Protestes. Schreibt Eure Thesen und Forderungen mit Edding auf große Papierbögen und sammelt Scharen Eurer Mitschüler um Euch. Mit diesem Mob an Eurer Seite zieht Ihr nun zum Lehrerzimmer oder zum Direktorat und befestigt die Papierbögen an der Tür.
Um nicht auf das epische Element eines Hammers verzichten zu müssen und trotzdem keinen Schaden an der Tür anzurichten, benutzt Ihr am Besten Reiszwecken. Diese könnt Ihr dann mit schweren Schlägen des Hammers in der Tür versenken. Die radikaleren SMVen unter Euch können ja richtige Nägel benutzen...
Spätestens während Ihr die Thesen anschlagt, werden übrigens Euer Direktor oder einige Lehrer auf Euch aufmerksam werden. Ihr solltet schon vorher überlegen, wie die entsprechenden Personen reagieren könnten, und Euch darauf vorbereiten. Besonders reizvoll ist an dieser Stelle übrigens eine Diskussion über die frisch angeschlagenen Thesen mit dem Direktor unter Beteiligung der anwesenden Mitschüler. Also bereitet Euch auf eine sachliche Debatte mit Eurer Schulleitung vor, und versucht ihm den Zustand der Entrechtung aus Schülerperspektive zu erläutern.
Sitzblockade
Ebenfalls eine bewährte Methode Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Mit genug Schülern lässt sich zu Stoßzeiten, während der Pause oder nach Schulschluss, so ziemlich jede strategisch wichtige Ecke der Schule blockieren: das Lehrerzimmer, das Direktorat oder der Zugang zum Kaffeeautomaten. Setzt euch einfach ganz dicht aneinander gedrängt in mehreren Reihen vor das zu blockierende Objekt. Besonders gut für Sitzblockaden eignet sich das Mitführen und Befestigen von Transparenten, die Ihr natürlich vorher noch entwerfen und malen müsst. Auch das Singen von Protest - Liedgut während Sitzblockaden hat Tradition. Den Text des in Bayern bekanntesten Schülerprotestsongs "In München steht ein Kultushaus", der seit der basis'o1 auf jeder LSV- Veranstaltung erklingt, könnt Ihr übrigens auf unserer Homepage herunterladen.
Zunächst werden dann von der Blockade betroffene Mitmenschen erbost sein, und versuchen Euch dazu zu bewegen, ihn doch "bitte" oder "gefälligst" durchzulassen. Erklärt ihm dann freundlich, dass sei im Augenblick nicht möglich. Erklärt der Person, dass es Eure Pflicht ist, für die demokratische Schule und gegen die untergeordnete Stellung von Schülern zu demonstrieren, um eine Veränderung zu erwirken. Jetzt stellt sich heraus, ob Ihr in Eurem Anliegen ernst genommen werdet: Äußert er gleich Verständnis, handelt es sich um einen Schleimer, den Ihr nicht passieren lassen solltet. Diskutiert er vorher mit Euch über Eure Forderungen, wird er sich eventuell auch in Zukunft mit der Thematik der Demokratieoffensive auseinander setzten. Ihr solltet ihn darum bitten, in Euren Reihen Platz zu nehmen. Vielleicht wird sich der Betroffene nur bedingt auf eine Debatte mit Euch einlassen und irgendwann argumentieren, den Schülern fehle die Weitsicht, die Kompetenz und der Wille zur Selbstbestimmung. Außerdem erfreut sich die Argumentationskette "Des ham ma ja no nia so gmacht, da könnt ja jeda kumma, wo käm mer denn do hi?" in solchen Kreisen großer Beliebtheit.
Auf jeden Fall eignet sich die Sitzblockade hervorragend, um Informationen und Materialien zu verteilen, denn jeder der durch will, wird wissen wollen, wieso das ausgerechnet heute nicht funktionieren soll. Die Sitzblockade verlangt allen Beteiligten ein gewisse Vorbereitung ab, da nichts peinlicher ist als ein Haufen blockierender Mitschüler, die Ihrem resoluten Lateinlehrer nicht Sinn und Zweck der Blockade erklären können. Macht also möglichst viele der Beteiligten früh mit Euren Vorstellungen vertraut, und bereitet sie mit Argumentationshilfen auf kontroverse Diskussionen mit Lehrern und Schülern vor.
Schulsprengung
Diese Aktion ist verhältnismäßig aufwendig. Vor allem wenn Ihr keinen Kontakt zu den lokalen Händlern habt, dürfte es sich als äußerst schwierig erweisen, das benötigte "Material" zu besorgen. Diesem Mehraufwand steht aber auch ein Maximum an öffentlichem Interesse entgegen, denn eine Schulsprengung wird sich niemand entgehen lassen wollen. Um dieses Masseninteresse sinnvoll instrumentalisieren zu können, solltet Ihr die Sprengung Eurer Schule am 23. Oktober schon vorher der lokalen Presse und Euren Mitschülern ankündigen.
Das benötigte Material besteht aus, Spaß beiseite, einem Gartenschlauch mit dem zum Rasen sprengen üblichen Aufsatz, den Ihr entweder bei Papi oder OBI auftreiben könnt. Den Schlauch schließt Ihr an einem Wasserhahn im Schulaußengelände an, und den Sprenger installiert Ihr am Besten direkt vor dem Haupteingang. Wenn nach Schulschluss alles nach draußen strömen will, wird sich auf der trockenen Innenseite des Ausgangs eine Menschentraube bilden, die Ihr optimal für Eure Zwecke und Informationsgespräche nutzen könnt.
Der größte Vorteil der Aktion "Schulsprengung" liegt in ihrem Namen. Nutzt ihn also großzügig und vermeidet es bereits vorab zu verraten, dass Ihr Eure Schule nur "symbolisch" sprengen werdet.