Fragen an die Organisatoren
Mit der Durchführung des Landesweiten Aktionstages an Eurer Schule sind eine ganze Reihe von Problemen und unangenehmen Fragen verbunden. Zuerst muss natürlich alles organisiert und vorbereitet werden, und dann ist wahrscheinlich die Überzeugung skeptischer Schüler- und Klassensprecher der nächste schwierige Schritt?
Hier erwarten Euch Antworten auf die Fragen, die Eurer Motivation nachhaltig schaden könnten. Engagement ist eben nicht immer ein Zuckerschlecken.
Mache ich mich nicht lächerlich?
Ist es lächerlich für seine Rechte einzustehen?
Es stimmt schon, viele Menschen, die das getan haben, sind von ihrem Umfeld erst einmal belächelt worden, wie zum Beispiel die Suffragetten, die trotz allem Spott Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen erkämpft haben. Doch die Geschichte gab ihnen letztlich Recht.
Es ist verständlich, dass sich niemand allein in die Aula der Schule stellen will, während alle anderen herum stehen und sich denken: "Was will der denn überhaupt von uns?" Um dieser Situation vorzubeugen, ist schon früh eine Informationskampagne über die Demokratieoffensive bei Euch an der Schule angesagt: in der Klassensprecherkonferenz, auf Flyern und nicht zuletzt durch Mundpropaganda. Sorgt also selbst dafür, dass Ihr am 23.1o.2oo1 nicht alleine da steht.
Und ganz alleine seid Ihr auf gar keinen Fall, denn an Schulen überall in ganz Bayerns sind Aktionen angesagt!
Warum das alles? Was bringt mir das überhaupt?
Macht es denn Sinn für Rechte einzustehen, von denen ich in meiner Schullaufbahn eigentlich gar nicht mehr profitieren werde?
Eben weil die Mühlen der Bürokratie gerade im Kultusministerium sehr langsam laufen, müssen wir Schüler deutlich machen, dass wir mit der jetzigen Situation unzufrieden und bereit sind, wirkliche Verantwortung zu tragen. Denn wenn Ihr mit der Einstellung "Und nach mir die Sintflut" durchs Leben gehen würdet, wärt Ihr zum einen wohl keine engagierten SMVler, und zum anderen ziemlich verantwortungslos! Die Schüler von morgen können nur dann von Eurem Engagement profitieren, wenn wir heute etwas zusammen bewegen.
Und wolltet Ihr nicht sowieso schon immer "Teil einer Jugendbewegung" sein?
Mein Direktor wird mich dafür hassen!!!
Lohnt sich das?
Es wird freilich nicht für jeden von uns leicht sein, seine Forderungen zu vertreten, aber sucht auf jeden Fall die Diskussion mit Eurem Direktorat! Man wird entweder anerkennen, dass Ihr Euch für legitime Rechte engagiert, oder beide Ohren auf taub stellen. Aber egal ob Bestätigung oder Trotz, aus beiden Fällen könnt Ihr Motivation für den Aktionstag schöpfen.
Wenn Ihr die berechtigte Sorge hegt, Euer Direktor könnte Euch nach der Aktion die Zusammenarbeit zur Hölle machen, ist es besonders wichtig schon rechtzeitig in einem Gespräch zu klären, warum und was Ihr zu tun gedenkt. Wenn Ihr das Gespräch auf einer sachlichen Ebene führt und einfach Eure Argumente anführt, wird Eurem Direktor nichts anderes übrig bleiben, als sich mit Euren Forderungen auseinander zusetzen. Er wird es dann schwer haben Euch das Engagement persönlich zu verübeln, weil Ihr keinen Grund dafür liefert und jeder von uns zumindest über ein gewisses Gerechtigkeitsempfinden verfügt.
Und solange Ihr Euch mit euren Aktionen nicht zu weit aus dem Fenster lehnt, kann eigentlich gar nichts passieren. Auf der definitiv sicheren Seite steht Ihr, wenn Ihr noch die fortschrittlichen Lehrer und den Elternbeirat mit ins Boot holt! Je breiter das Bündnis am Aktionstag gefächert ist, desto besser. Denn Unterstützung kann man gar nicht genug kriegen.
Sind die Forderungen nicht viel zu überzogen?
Es läuft doch alles ganz okay!?
Wirklich? In der bayerischen Verfassung steht geschrieben, wir seien "im Geiste der Demokratie" zu erziehen. Dieser Geist ist in der Tat sehr unbeständig, und das hehre Ziel im bayrischen Schulsystem höchstens in Ansätzen wieder zu finden. Tatsächlich lernen wir in der Schule nicht den Umgang mit demokratischen Prozessen, sondern werden nach Strich und Faden bevormundet. Es ist etwas faul im Staate Bayern...
Natürlich gibt es auch Schulen, an denen die Kooperation zwischen SMV und Schulleitung reibungslos funktioniert, aber das ist Glückssache und hängt immer von den beteiligten Personen ab. Das sollte uns aber nicht genügen, denn alle Schülervertreter müssen überall in Bayern endlich ernst genommen, und Ihre Mitbestimmungsrechte gesetzlich verankert werden.
Unsere Forderungen sind also keinesfalls überzogen, außer Ihr seid der Meinung, Ihr wäret nicht fähig, über Euch selbst zu bestimmen: Ihr fändest es geil, bevormundet zu werden!